Ein Weichendecoder empfangt ein Zubehor-Kommando und steuert einen Weichenmagnet, Schaltmotor oder Servo an. Dieser Ratgeber erklart, wie das Adressierungssystem funktioniert, welche Ansteuerarten es gibt und wo es in der Praxis zu Problemen kommen kann.
Ein Zubehoerdecoder — auch Weichendecoder oder Magnetartikeldecoder genannt — ist ein eigener Decoder-Typ, der keine Lok steuert, sondern Gleiszubehor: Weichen, Signale, Entkuppler und Relais. Der Decoder empfangt ein Zubehor-Kommando von der Zentrale uber das Gleis oder ein separates Bussystem und wandelt es in ein elektrisches Signal fur den Magnetartikel um.
NMRA-Standard S-9.2.1 unterscheidet zwei Typen. Der Basic Accessory Decoder verwendet ein 9-Bit-Adressfeld und ist fur einfache Magnetartikel wie Weichen und Signale gedacht. Der Extended Accessory Decoder verwendet ein 11-Bit-Adressfeld und ist fur komplexe Signalbilder mit mehr als zwei Stellungen ausgelegt. Die meisten Weichen auf einer Hobby-Modellbahnanlage werden von einem Basic Accessory Decoder gesteuert.
Zubehoerdecoder sind von Lokdecodern getrennt und haben einen eigenen Adressraum. Sie kommunizieren uber dasselbe DCC-Signal auf dem Gleis oder — bei einigen Systemen — uber einen separaten Bus wie LocoNet oder den Märklin CAN-Bus. Lesen Sie auch den Decoder-Schnittstellen-Ratgeber fur eine allgemeine Unterscheidung der Decoder-Typen.
Der lineare Zubehor-Adressbereich in DCC reicht von 1 bis 2044. Die Adressen 2045–2048 sind fur Broadcast-Kommandos reserviert. Adresse 0 ist offiziell reserviert; in der Praxis verwenden einige Hersteller sie zu Testzwecken. Die zugrunde liegende Struktur besteht aus 511 Decoder-Adressen mit je 4 Subadressen (Ausgangen), was 511 × 4 = 2044 nutzbare Adressen ergibt.
Was das in der Praxis bedeutet: Ein Decoder mit Decoder-Adresse 1 steuert theoretisch die Ausgange an den linearen Adressen 1, 2, 3 und 4. Ein Decoder mit Adresse 2 steuert die Adressen 5, 6, 7 und 8 — und so weiter. Aber ob der Hersteller und die Software sie tatsachlich so nummerieren, ist eine ganz andere Frage.
Die NMRA-Spezifikation beschreibt die Struktur des Adressfelds, schreibt jedoch keine Encoder-Konvention vor. Das bedeutet: der Standard legt nicht fest, wie eine Zentrale oder ein Softwarepaket die linearen Adressen 1–2044 dem Benutzer prasentieren soll. Die Folge ist ein hartnackiges Interoperabilitatsproblem: "Adresse 5" in Software A ist nicht dieselbe Weiche wie "Adresse 5" in Software B oder am Decoder C.
Konkrete Varianten, die in der Praxis vorkommen:
Praktische Konsequenz: Testen Sie bei der Einrichtung eines neuen Systems immer Adresse 1 und notieren Sie, welche physische Weiche reagiert, bevor Sie das gesamte Schema programmieren. Schlagen Sie in den Anleitungen sowohl der Zentrale bzw. Software (hier: ModelRailPro plus die verwendete Zentrale) als auch des Decoders nach. Es gibt keine universelle Formel, die fur alle Kombinationen gilt. Auf einer Anlage zu bestätigen fur jede verwendete Kombination aus Zentrale und Decoder.
Mehr uber die unterstutzten Zentralen: siehe DCC-EX und Märklin CS2/CS3.
Neben DCC verfugt das Märklin-Okosystem uber ein eigenes Zubehorprotokoll auf Basis des Motorola-Formats. Die bekanntesten Decoder sind der k83 (vier Ausgange, Solenoid-Impuls) und der k84 (vier Ausgange, Solenoid-Impuls oder Relais-Dauerspannung). Beide arbeiten ausschliesslich mit dem Motorola-Zubehorprotokoll, sind unidirektional — die Stellung wird nicht zuruckgemeldet — und unterstutzen Adressen 1 bis 256, wobei die genaue Nummerierung von der Zentrale abhangt.
Zentralen, die das Motorola-Zubehorprotokoll neben DCC unterstutzen, sind unter anderem die Märklin CS2/CS3, Z21 schwarz, DR5000 und ESU ECoS. DCC-EX unterstutzt das Motorola-Protokoll nicht. Wer eine gemischte Anlage mit DCC-Lokdecodern und Märklin k83/k84-Weichendecodern betreibt, benotigt eine Zentrale, die beide Protokolle senden kann.
Die Art, wie der Decoder den Weichenantrieb ansteuert, bestimmt die Einstellungen und die Decoder-Wahl.
Die traditionellste Methode. Der Decoder sendet einen kurzen Stromimpuls — typischerweise 50 bis 200 ms — an eine der beiden Magnetspulen, die die Weichenzunge mechanisch umstellt. Zu lange Aktivierung beschadigt oder verbrennt den Magneten; dies ist eine bekannte Schadensursache bei alteren Anlagen, bei denen der Decoder keinen Zeitschutz hatte.
Moderne DCC-Zentralen begrenzen die Impulslange intern. Ob die Impulslange, die ModelRailPro uber die verwendete Zentrale aussendet, mit Ihrem spezifischen Solenoid-Decoder kompatibel ist, ist auf einer Anlage zu bestätigen. Lesen Sie die Hardware-Ubersicht fur den Status der von Ihnen verwendeten Zentrale.
Ein Schaltmotor (z. B. Märklin 74491, Tortoise) bleibt in der Endstellung unter Spannung. Der Decoder halt nach dem Steuerkommando die Spannung an dem jeweiligen Ausgang. Dies erfordert einen Decoder, der den Ausgang dauerhaft eingeschaltet lasst anstatt einen Impuls zu senden — nicht alle Weichendecoder konnen das; prufen Sie das Datenblatt.
Servodecoder wandeln ein DCC-Zubehorkommando in ein Servo-PWM-Signal um. Der Servo fahrt langsam in die programmierte Endstellung, was eine realistischere Bewegung ergibt als ein Solenoid. Bekannte Beispiele sind der ESU SwitchPilot Servo und ahnliche Module. Servodecoder bieten in der Regel einstellbare Fahrgeschwindigkeit und Endstellungen uber CV-Programmierung. Hilfe bei CV-Berechnungen finden Sie auf der DCC-Tools-Seite.
Ein wichtiger Unterschied: Standard-DCC-Zubehoerdecoder melden die Weichenstellung nicht zuruck. Zentrale und Software gehen davon aus, dass das Kommando ausgefuhrt wurde, und speichern die angenommene Stellung. Wenn die Weiche mechanisch blockiert oder der Strom ausfallt, weiss die Software das nicht automatisch.
Einige Decoder melden die tatsachliche Stellung uber ein zusatzliches System zuruck — etwa s88, LocoNet oder RailCom — dies ist jedoch herstellerspezifisch und in NMRA S-9.2.1 nicht vorgeschrieben. Beispiele sind der ESU SwitchPilot Servo (s88-Ruckmeldung) und bestimmte Littfinski-Module (LocoNet). Wer zuverlassige Weichenstellungs-Ruckmeldung fur den automatischen Betrieb benotigt, sollte einen Decoder mit expliziter Ruckmeldung uber einen von seiner Zentrale unterstutzten Ruckmeldebus wahlen.
Mehr uber Ruckmeldeoptionen und die Verknupfung von Besetzmeldung mit Blocksteuerung: siehe den Ruckmelde-Ratgeber.
Beim Konfigurieren von Weichendecodern in ModelRailPro sind folgende Punkte zu beachten: